Die Filmwissenschaftlerin Brigitte Mayr über Zeit zu gehen
Ein seitlich aus einem Krankenbett gestreckter Arm kreist ziellos durch die Luft, die Finger öffnen sich am höchsten Punkt, die Hand scheint vergeblich nach einem Trinkbecher fassen zu wollen, der auf dem Nachtkästchen steht. Was auf den ersten Blick wie eine hilflose Geste aussieht, erweist sich beim genaueren Hinschauen als Turnübung, die sich Frau Steindl täglich öfters zu tun verordnet hat, um die ermatteten Glieder in Bewegung zu halten.
Diese aufschlussreiche Szene am Beginn des Dokumentarfilmerstlings ZEIT ZU GEHEN legt die unprätentiöse Herangehensweise der Regisseurin Anita Natmeßnig an eines der wohl schwierigsten Themen unserer Gesellschaft sofort offen: sie dreht den sehr oberflächlichen Blick, den wir üblicherweise auf den Tod werfen, praktisch in jedem ihrer quer gedachten und dennoch mit keiner unnötigen Schwere belasteten Bilder um.
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Das eigene Sterben erleben_B.Mayr.zip (38.85 KB)